Mit Johannes dem Täufer Abstand gewinnen

Sr. Clara Mair am 5.12.2008

Johannes der Täufer Motiv Einkaufszentrum Foto Rainer Juriatti

Sr. Clara Mair schreibt zum 2. Adventsonntag 2008, Mk 1,1-8:

In der vorweihnachtlichen Zeit begegnet er uns wieder - Johannes der Täufer, der Wegbereiter - der Mensch des Übergangs.

Wir finden ihn in der Wüste; Wer ihm begegnen will, muss bereit sein, auf Abstand zu gehen. “Sie zogen in die Wüste hinaus”, wird uns im Evangelium erzählt. Die Menschen kamen aus Jerusalem, aus ganz Judäa, und aus dem Westjordanland. Sie blieben nicht in ihren Häusern und nicht auf ihren Feldern. Wichtigeres was dran, wert, dass vieles liegen bleibt: die Wäsche, der Pflug, die Schriftrolle, der Kochtopf, die Säge.

Mehr als der räumliche Abstand zählt der innere. In dieser Bewegung hinaus in
die Wüste erkenne ich ein adventliches Bild. Wir sind eingeladen, uns mitten
hinein zu begeben, liegen zulassen, was uns zu Hause oder am Arbeitsplatz festhalten möchte: Fernseher, Bügelbrett, Computer, Hausaufgaben;

Einfach ist die Begegnung mit Johannes dem Täufer nicht. Seine Wüstenbotschaft setzt voraus, dass man sich mal von all seinen Verpflichtungen ein Stück weit befreit, Abstand gewinnt - und zu sich kommt, oder besser gesagt: zu Gott kommt.

Seine Botschaft ist für die, die Abstand gewonnen haben und auf der Suche sind nach einer neuen Orientierung, Ausrichtung ihres Lebens.
Ihnen sagt er: “Das Himmelreich ist nahe: Kehrt um!” Er lädt ein, zu dem, der
im Kommen ist. Setz ruhig darauf! Gott ist im Kommen, er ist dir ganz nahe. Er
trägt dein Leben, verlass dich auf ihn!

Das Himmelreich ist nahe. Diese Aussage klingt so banal. Was passiert, wenn
ich sie ernst nehme? Wenn es stimmt, dass das Himmelreich nahe ist, zum
Greifen nahe, zum Erleben nahe, dann heißt das auch, dass es gar nicht
näher kommen kann. Warten wäre sinnlos.

Also dann, wie erfahre ich die Nähe des Himmelreiches?

Vielleicht indem ich auf Distanz gehe zu dem, was mich bedrängt und besetzt hält.
Vor 60 Jahren, kurz vor Weihnachten 1944 und nur wenige Tage vor seiner Hinrichtung schrieb im Gefängnis der Jesuitenpater Alfred Delp: “Selten war ich mehr bei mir und bei Gott…, das allgemeine Schicksal, die Entscheidung der nächsten Tage, die Botschaft des Festes - alles sammelt sich in das Eine: Mensch, lass dich los zu deinem Gott hin, und du wirst dich wieder selber haben… Das ist dann die Freiheit.”

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