2000 Kinder ohne Begleitung

Redaktion am 12.11.2008

Hilfe im Kongo 001 Foto Caritas

Die wahre Katastrophe steht noch aus. So kommt es mir in einer Presseaussendung entgegen. Ein erschütternder Bericht, inmitten der Flut von Nachrichten des Tages. Lesen Sie bitte selbst:

Flüchtlingselend im Kongo

Seit dem Vormarsch der Rebellen - Armee im Osten der Demokratischen Republik Kongo sind erneut hunderttausende Menschen auf der Flucht. Allein in und um Goma sind 2000 Kinder auf sich allein gestellt, berichtet Alexander Bühler. Er ist für die Caritas in der Stadt Goma.

Mittagszeit im Flüchtlingslager Mugunga I/Goma in der kongolesischen Krisenregion Nordkivu. Auf spitzen Lavasteinen stehen Massen an Flüchtlingen rings um das Viereck, in dem Caritas-HelferInnen und MitarbeiterInnen des UN-Welternährungsprogramms (WFP) Nahrungsmittelrationen ausgeben.

Stundenlang verliest ein Helfer per Megaphon die Namen auf seiner Liste. Vor ein paar Minuten wurde die 32jährige Rwendo Kasao aufgerufen, nun steht sie in einer Schlange vor der Maismehl-Ausgabe an. Seit Stunden brennt die Sonne auf die junge Mutter herab, die ihr 2jähriges Kind Munihire auf dem Rücken dabei hat, der Schweiß läuft ihr über das Gesicht. Offiziell ist Regenzeit, doch die Wolken lassen sich noch nicht blicken. Erst am Nachmittag wird sich der Himmel zu einem sintflutartigen Regen herablassen.

Seit einem Jahr nennt Rwendo Kasao das Lager Mugunga I ihr Zuhause. Sie wohnt zusammen mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in einer Behausung, für die die Bezeichnung “Hütte” eine Übertreibung wäre: Über ein Gerippe aus Zweigen und Ästen wird eine Plastikplane geworfen. In diesem besseren Zelt schläft, isst und kocht sie mit ihrer ganzen Familie. Etwa 1,70 Meter hoch, 3 Meter lang und 2 Meter breit - mehr Platz bietet das Dach über dem Kopf ihnen nicht. Und doch schätzt sich Kasao glücklich, denn genau wie 26.269 andere Flüchtlinge hier im Lager Mugunga I ist sie registriert und kann sich daher ihre Ration für 10 Tage abholen: 50 Gramm Salz, ein Drittel Liter Öl zum Kochen, 1,2 Kilo Bohnen und 4 Kilo Mehl pro Familienmitglied.

Zum letzten Mal wurden die Flüchtlinge Mitte Oktober gezählt, niemand weiß, wie viele seit den Kämpfen von letzter Woche und denen der letzten Tage dazu gekommen sind. Wer  nicht registriert ist, wird - zumindest von offizieller Seite- nicht versorgt.

Tatsächlich haben sich seit dem Vormarsch der Rebellen - Armee im Osten der Demokratischen Republik Kongo viele Flüchtlingslager fast explosionsartig vergrößert. Im Lager Kibati 1 ist die Zahl der Flüchtlinge beispielsweise von rund 5.500 auf knapp 66.000 und in Kibati II sogar von rund 600 auf über 135.000 angestiegen. Insgesamt, so schätzt die UN-Schutztruppe MONUC, sind mittlerweile 1,25 Millionen Menschen in der Region Nordkivu, einem Gebiet von dreiviertel der Größe Österreichs , auf der Flucht. Alleine in und um Goma hausen etwa 20.000 Flüchtlinge in Kirchen, Schulen, auf öffentlichen Plätzen oder leerstehenden Gebäuden.

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2000 Kinder ohne Begleitung

2000 von ihnen sind Kinder, die ohne ihre Eltern auf der Flucht sind, und daher nur selten versorgt werden. Die Caritas versucht Medikamente und Lebensmittel an sie zu verteilen, denn auch diese kleinen Flüchtlinge sind noch nicht registriert und werden daher nicht von offizieller Seite versorgt. Tagsüber sind die Menschen auf den Straßen Gomas unterwegs und versuchen sich etwas Essen zu erbetteln, nachts müssen sie auf einer Plastikplane auf engstem Raum schlafen. Gerade die Kinder sind von den tagelangen Märschen, bei denen die Menschen aus ihren Dörfern in die Stadt flüchteten, völlig erschöpft und leiden unter Durchfall, Meningitis und anderen Krankheiten.

Um ein genaueres Bild von diesem Elend zu bekommen, fehlen jedoch die Zahlen. Nur eines ist sicher: Langsam gehen den humanitären Organisationen die Lebensmittel aus. Denn für den Nachschub im Norden der Provinz ist eine Route, jene, die über Uganda führt, wegen der Kämpfe blockiert. Lange werden die Vorräte nicht mehr reichen - und dann droht eine humanitäre Katastrophe ungeahnten Ausmaßes.

Die Caritas bittet um Spenden für die Flüchtlinge in der Demokratischen Republik Kongo: PSK 7.700 004, BLZ 60.000, Kennwort: Kongo DR

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