Gebet der Völker

Dietmar Steinmair am 18.10.2008

fdh_bild_gebetdervolker365.jpg

Am Ende der GLORIA 2008 und auch des Festes der Völker am Samstagnachmittag versammelten sich Messebesucher/innen zum Gebet der Völker. Gruppierungen aus verschiedenen Ländern und Kulturen schlossen die neunte Kirchenfachmesse in Dornbirn mit einer kleinen Liturgie ab. Der Generalvikar der Diözese Feldkirch, Benno Elbs, eröffnete das Gebet der Völker. Erika Nedic, Pastoralassistentin in Dornbirn-Hatlerdorf, hat 23 Jahre ihres Lebens in Rumänien gelebt. Was für sie, die Zugewanderte, Christsein bedeutet: „Ich weiß, Gott, dass viele Millionen Menschen jetzt gleichzeitig wie ich an dich denken und dir im Gebet begegnen.“ Ihre Worte wiederholte Erika Nedic auf Rumänisch. Zumindest vermute ich, dass es dieselben Worte waren. Akustisch ein Genuss, das Rumänische.


Die Lesung folgte aus dem Buch des Propheten Jesaja: Das Festmahl der Völker auf dem Berg Zion, vorgetragen von Kroatenseelsorger Juraj Kostelac, natürlich auf Kroatisch, hat einen zentralen Satz: „Gott, der Herr, wischt die Tränen ab von jedem Gesicht.“ Was für eine Zusage gerade auch an Menschen, die – der Heimat entrissen, entlaufen, entfremdet – in der Fremde oft ans alte Zuhause denken, und denken müssen.

Als Evangelium wählte Benno Elbs das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter (Evangelium nach Lukas, Kapitel 10). Die Geschichte ist bekannt: Einem Überfallenen helfen weder der Priester noch der Levit – beide Vertreter des Establishments – sondern gerade der Vertreter der bei den Juden so verhassten Ausländer, der Samariter.
Es braucht – so Benno Elbs – im Leben drei Aufmerksamkeiten. Es braucht, erstens, die Aufmerksamkeit für den Moment Gottes: in einer Umarmung, in einer Begegnung. Die zweite Aufmerksamkeit ist die für den Nächsten: wenn – wie die GLORIA-Sonderschau zum Aussätzigen-Hilfswerk eindrücklich vor Augen führte – Menschen durch eine Krankheit in die Isolation verbannt werden. Die dritte Aufmerksamkeit ist jene für das eigene Leben: Gott hat für jeden Menschen einen Traum. Unser Aufgabe ist es, diesen Traum zu erkennen und auch zu leben. Das meint auch das Wort „Berufung“ – und sich auch selbst zu lieben.

Die Aufmerksamkeit des Herzens - „Folge deinem Herzen“ - bringt alle drei Aufmerksamkeiten zusammen. Dann hat das Leben Sinn. Die Frage nach dem Sinn verlangt nach vielstimmigem Gebet zu Gott: die Fürbitten wurden auf Deutsch, Kroatisch, Polnisch, Serbisch, Philippinisch und Slowenisch vorgetragen – im Vertrauen, dass Gott Ohren für alle Menschen und Sprachen hat. Nicht nur gebetet wurde international, sondern ebenso auch getanzt: das Vaterunser begleiteten Frauen von den Philippinen.

Für die Fotos von der GLORIA 2008 zeichneten verantwortlich: RAINER JURIATTI und DANIEL FURXER.

.

Kommentarfunktion ist nicht aktiv.