Kaurismäkis Trilogie der Verlierer

Redaktion am 6.11.2008

 der mann ohne Vergangenheit

Im Rahmen der Initiative “Folge deinem Herzen” der Katholischen Kirche Vorarlberg  werden am Spielboden in Dornbirn drei Filme zum Thema Arbeit von Aki Kaurismäki “Wolken ziehen vorüber”, “Der Mann ohne Vergangenheit” und “Lichter der Vorstadt” gezeigt.

Trilogie der Verlierer nennt Aki Kaurismäki seine drei letzten Filme, in denen Themen wie Arbeits- bzw. Obdachlosigkeit und schließlich Einsamkeit im Mittelpunkt der Geschichten stehen. Sie werden charakterisiert durch eine  typisch biblische Zuwendung zu den Armen, Niedergedrückten und Ausgestoßenen. Unter ihnen herrschen Solidarität, Zuwendung, Achtung und Selbstachtung. Unverbrüchlich spricht ihnen der Regisseur durch seine Inszenierung Würde zu. Kaurismäkis Liebe für die Menschen am Rande der Gesellschaft könnte man theologisch deuten als klare Parteinahme für die Armen, wie sie die Evangelien durchziehen. In vielen direkten und indirekten biblischen Bezügen erzählen seine Filme von Erlösungsprozessen und Identitätsfindungen. Sie erzählen Geschichten über das christliche Gebot der Nächstenliebe, über ein Netzwerk der Liebe und Solidarität, das über die Macht der Herrschenden triumphiert, sie buchstabieren aus, was die Seligpreisungen verheißen: “Selig die Armen, denn ihrer ist das Himmelreich.”

Mittwoch 5.11. und Donnerstag 13.11. um 20.30

Wolken ziehen vorüber Aki Kaurismäki Finnland/Deutschland/Frankreich 1996 -  96 min
Für eine entlassene Kellnerin und ihren Mann, einen Straßenbahnfahrer, der Opfer der Rationalisierung bei den städtischen Verkehrsbetrieben wurde, beginnt eine deprimierende Zeit der Arbeitssuche. Nach erschöpfenden Erfahrungen bei ihren Bittgängen treten sie die Flucht nach vorn an und eröffnen ein eigenes Restaurant. Ein außergewöhnlicher Balanceakt zwischen herzzerreißendem Drama und lakonisch-knapp erzählter anrührender Komödie, mit minimalen Mitteln souverän inszeniert. - Sehenswert ab 16 (filmdienst)

Freitag 7.11. (mit einer kurzen Einführung) und Dienstag 18.11. um 20.30

Der Mann ohne Vergangenheit Aki Kaurismäki Finnland/Deutschland 2002 -
96 min
Ein von Räubern erschlagener Mann kehrt ins Leben zurück. Obwohl er sein Gedächtnis verlor, gelingt es ihm mit Einfallsreichtum, Hartnäckigkeit und durch die Liebe einer Heilsarmee-Angehörigen, wieder Fuß zu fassen.
Modernes sozialkritisches Märchen mit religiösen Untertönen, das die Geschichte einer Menschwerdung erzählt und den Traum von Nächstenliebe und Solidarität durchbuchstabiert. Ein in satten Technicolor-Farben eindrucksvoll gestalteter Film, der sich durch Stilwillen, Situationskomik und poetische Imagination auszeichnet und von überzeugenden Hauptdarstellern getragen wird. (Zwei Preise in Cannes 2002) - Sehenswert ab 16 (filmdienst)

Dienstag 11.11. und Freitag 21.11.um 20.30 

Lichter der Vorstadt Aki Kaurismäki Finnland/Deutschland/Frankreich/ 2006 - 77  min
Ein Sicherheitsangestellter lebt dumpf und stumm in den Tag und wehrt sich seiner Haut auch nicht, als er von einer Blondine für einen Raub ausgenutzt wird und man ihm die Schuld in die Schuhe schieben will. Erst sehr spät dämmert es ihm, dass ihm eine andere Frau ständig zur Seite steht und jederzeit bereit ist, ihm die Hand zu reichen.
Der tieftraurige und zugleich sehr schöne Film bietet mit seiner kleinen Geschichte großes Gefühlskino. - Empfohlen ab 16 (filmdienst)

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