Weg aus der Sackgasse

Redaktion am 26.9.2008

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26. Sonntag im Jahreskreis - 28. September 2008 - Von Jasagern und Neinsagern

Lange Zeit haben wir unseren Kindern am Abend das kleine Kinderbuch von den zwei Söhnen vorgelesen. Immer wieder wollten sie diese einfache Geschichte hören und haben die Bilder genau angeschaut. Am Ende der Geschichte heißt es dann “Jesus sagt: das, was wir tun, ist wichtiger, als das, was wir sagen.” Und der eine Sohn, der zwar nein gesagt hat und dann doch dem Vater im Obstgarten geholfen hat, hält seinem Bruder zur Erinnerung an sein Ja einen Apfel vors Gesicht. Der Vater steht lächelnd daneben.

Das heutige Sonntagsevangelium spricht vom Ja- und Neinsagen und dem entsprechenden Handeln und Tun. Wir alle kennen die Situation, in denen unsere Kinder, aber auch wir als Eltern zu etwas Ja sagen - und im Nachhinein merken, dass es schwer ist, es umzusetzen und einzuhalten. Aber auch umgekehrt, wenn wir Nein sagen und es uns dann leid tut - und wir dann doch noch schauen, wie es möglich werden kann.

Frei werden zur Liebe
Im Gleichnis von den beiden Söhnen hält Jesus den Schriftgelehrten den Spiegel vor Augen. Damit hält er auch uns den Spiegel vor und fordert uns auf, den Weg der Gerechtigkeit zu gehen und den Zusammenhang von Wort und Tat, vom Reden und Handeln zu erkennen.
Ja sagen ist zu wenig. Es geht vielmehr darum, unser Handeln aus der zuvorkommenden Liebe Gottes heraus zu gestalten. Weil wir Menschen uns auf die Gerechtigkeit Gottes verlassen können, sind wir für Gerechtigkeit und die Praxis der Liebe fähig. Der Kontrast der beiden Söhne ist deutlich und bedarf eigentlich keiner weiteren Erklärung. Wir alle sind oft gefangen in den eigenen Worten, Vorschriften und Regelungen und verrennen uns in unseren Sackgassen. Gott nimmt aber seine Verheißung an uns nicht zurück, er will uns Leben geben. Und er will auch, dass wir uns richtig verhalten - eben von Herzen reden und tun.
Für mich ist Gott wie der Vater in diesem Kinderbuch. Er steht sicher lächelnd neben uns und schaut barmherzig auf uns. Das ist mutmachend, hoffnungsvoll und gibt mir Zuversicht.

Matthias Nägele

Zum Vorlesen für und mit den Kindern:
“Zwei Jungen. Onken Verlag Wuppertal und Kassel”

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2 Kommentare zu “Weg aus der Sackgasse”

  1. Me sagt:

    Wenn es nur so wäre wie Jesus gesagt hat, aber selbst in der Kirche sind Worte gewichtiger als Taten. Man wird nach dem beurteilt was man sagt und die meisten Menschen sind eben sehr empfänglich für schöne Worte - auch wenn es nur leere Hüllen sind.

    Ich schreibe das, weil ich grad eine sehr enttäuschende Erfahrung mit einer kirchlichen Einrichtung machen musste……im übrigen eine Erfahrung die ich schon öfter gemacht habe im Hinblick auf Kinder und Lehrer/Erzieher…..nämlich die dass von Kindern Wahrhaftigkeit verlangt wird und im gleichen Gespräch von den gleichen Personen genau das Gegenteil praktiziert wird. Es wird von Kindern verlangt sich zu ihren Verfehlungen offen zu bekennen und die die das vorleben sollten vertuschen und beschönigen ihre eigenen Irrtümer.

  2. matthias sagt:

    Liebe Frau Me / Lieber Herr Me!

    Sie schreiben aus Ihrer persönlichen Betroffenheit und treffen dabei den Nagel auf den Kopf: auch für die Kirche - und v.a. für die Frauen und Männer, die für das Anliegen der Frohen Botschaft Jesu darin arbeiten, gilt dieses Gleichnis. Wir selbst sind herausgefordert, in unseren Taten erfahrbar werden zu lassen, was Jesus damit gemeint hat, wenn er davon spricht, dass Zöllner, Huren und Sünder, die es mit der Umkehr ernst meinen, eher ins Himmelreich kommen als die Pharisäer und Schriftgelehrten. Auch und gerade für das Handeln der Kirche zählen für mich die Taten, die von Herzen kommen. Da fallen mir so manche Worte schwer, die von der Kirche hinausgesagt werden - die wie Rat-Schläge andere Menschen vor den Kopf stoßen, sie ausgrenzen und zu ihren eigenen Verletzungen noch von dieser Seite her verletzen.

    In meinem Aufgabenbereich sehe ich zur Zeit zwei Bereiche, in denen es für mich darum geht, das Handeln Jesu nicht in Worten, sondern in Taten erfahrbar zu machen und so als Kirche davon Zeugnis zu geben.
    Zum einen geht es in der Frage der Schöpfungsverantwortung darum, selbst so zu handeln, dass wir die Schöpfung und Umwelt bewahren und z.B. in der Energieversorgung auf erneuerbare Energie setzen. Da ist für mich Ökostrom zu unterstützen eine Möglichkeit. Aber auch, dass wir uns als Diözese selbst darauf verpflichten, Ökostrom zu unterstützen und auch selbst über Anlagen, die in kirchlichen Gebäuden gebaut werden, zu erzeugen.
    Zum anderen möchte ich mich für eine Segensfeier bei Wiederheirat einsetzen und Menschen, denen es wichtig ist, eine zweite Beziehung nach Scheidung und Trennung unter Gottes Schutz zu stellen und diesen Neuanfang mit Gottes Hilfe gehen zu können.
    Ich weiß um diese Brüchigkeit - ich weiß aber auch um das Bemühen und Ringen, statt der vielen Worte zu handeln und unseren Glauben in Taten erfahrbar werden zu lassen. Vielleicht hilft uns da auch der lächelnde, barmherzige Blick des Vaters in dieser Geschichte weiter - mir gibt das trotzallem Mut, Kraft und Zuversicht.