Ein Herz und eine Seele

Sr. Clara Mair am 5.9.2008

walnuss

Impuls zum 23. Sonntag i. Jk., Mt 18,15-20

“Ein Herz und eine Seele sein”, so lautet der bekannte Satz, wenn Menschen sich vertragen und harmonisch zusammenleben, während in dem Ausspruch “Die sind wie Katz’ und Maus” das glatte Gegenteil zum Ausdruck kommt.

Beide Verhaltensweisen sind nicht unbekannt, auch nicht in der Bibel. Die Apostelgeschichte (vgl. Apg 4,32-35) beschreibt das Leben in der frühen Gemeinde als harmonisch. Die Rede Jesu im Evangelium (Mt 18,15-20) über das Leben in der Gemeinde zeigt, dass es auch Zwietracht untereinander gab. Davor werden die Augen nicht verschlossen.Schuld, Zwietracht und Streit sind hier für Jesus wohl kein Problem, das gibt es in  jedem Zusammenleben; vielmehr will er darauf aufmerksam und deutlich machen, wie Menschen miteinander umgehen können, wenn sie aneinander schuldig geworden sind, einander Böses angetan haben. Es geht darum, wieder zu einem guten Miteinander zu finden, wie Versöhnung und Konfliktlösung erreicht werden können.

Eine kleine Geschichte kann dies verdeutlichen:
Unter einem Nussbaum fanden zwei Buben eine Nuss. “Sie gehört mir. Ich habe sie zuerst gesehen.” “Nein, sie gehört mir. Ich habe sie zuerst aufgehoben!” Beide gerieten in einen heftigen Streit.

“Hört, ich will euren Streit schlichten”, sagte ein Jugendlicher, der dazukam. Er stellte sich zwischen die beiden Buben, machte die Nuss auf und sprach: “Die eine der beiden Schalen gehört dem von euch, der die Nuss zuerst sah, die andere dem, der sie zuerst aufhob. Den Kern aber behalte ich, weil ich den Streit geschlichtet habe.” Und ehe sich die zwei noch besonnen hatten, war der Kern verschwunden.

Vielleicht können wir sagen, die Geschichte sei ein Beispiel für die Erfahrung: Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Dies mag sein, doch möglicherweise hat der
Jugendliche mit viel Fantasie und Witz einen klugen Weg gefunden, den Streit zu schlichten. Die Geschichte zeigt, wie manches Gegeneinander sogar auf humorvolle Weise aufgehoben werden kann, besonders dann, wenn es um Kleinigkeiten geht.

Der Versuch zu schlichten zeigt aber noch etwas anderes. Der Weg zu einem guten Miteinander braucht die Verantwortung füreinander. Der andere ist nicht der Feind, sondern der Mit-Mensch, die Schwester, der Bruder, vielleicht sogar mein Freund, meine Freundin.

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