Nicht was ich will …

Petra Steinmair am 31.8.2008

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Impuls zum Sonntagsevangelium Mt 16,21-27

Der bekannte Benediktinerpater Anselm Grün schreibt:
Gottes Wille erscheint uns oft als fremd, weil wir an unseren Illusionen festhalten, die wir uns vom Leben gemacht haben. Wir haben in uns verschiedene Ebenen unseres Willens. Wir haben einen Willen an der Oberfläche und einen in der Tiefe unseres Herzens. Den Willen an der Oberfläche setzen wir oft genug mit unseren Launen oder spontanen Bedürfnissen gleich. Wir merken dann gar nicht, dass uns darin oft genug die Erwartungen der anderen bestimmen, das was alle tun. Wir meinen, wir würden den eigenen Willen erfüllen, und sind stolz darauf. In Wirklichkeit werden wir von außen gesteuert. … Wenn wir im Gebet still werden und mit unserem wahren Selbst in Berührung kommen, dann spüren wir auf einmal, was uns wirklich gut tut, was wir im Tiefsten eigentlich wollen. Dieser Wille, den wir da entdecken, ist zugleich unser eigener Wille als auch Gottes Wille. Gottes Wille tut uns im letzten gut. Aber vordergründig erscheint er uns oft genug als fremd und unverständlich. … Der Wille Gottes ist das, was uns im Tiefsten gut tut. Aber bis wir das erkennen, braucht es oft ein Ringen und Kämpfen …

Die Supervisorin, Organisationsberaterin und Autorin Andrea Schwarz beschreibt dieses Ringen in poetischer Form und regt zum Nach-denken und Nach-spüren an:

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Trotzdem

wenn mein Bitten
nicht erfüllt wird
braucht es nicht
an der Intensität meines Bittens zu liegen

wenn es sich anders fügt
als ich gedacht habe
kann es gut sein
dass es so besser ist

wenn meine Erwartungen
enttäuscht werden
ist es vielleicht an der Zeit
Neues zu suchen

wenn ich auf einen anderen Weg geschickt werde
als den den ich gehen wollte
könnte es gut sein
dass Gott im Spiel ist

sich eingemischt hat
mich schickt wohin ich nicht will
meine Erwartungen enttäuscht
meine Bitten nicht erfüllt

dien Plan ist größer
deine Gedanken sind weiter
deine Wege sind vielfältiger
deine Liebe ist größer

trotzdem
ich protestiere
Gott
so lasse ich mit mir nicht umspringen

und doch
gebe ich mich hinein
verlasse mich auf dich
traue dir

ich glaube dir

(Quelle: Anselm Grün / Andrea Schwarz: Und alles lassen weil Er mich nicht lässt. Lebenskultur aus dem Evangelium. Herder 1998.)

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