Lebensfeindlich?

Petra Steinmair am 29.8.2008

kreuzaufsichnehmen_durchkreuzung365.jpg

Folge deinem Herzen – das klingt schön. Nach Sommer und Sonne, nach Lebensfreude und Lebensgenuss. Tun, worauf ich Lust habe, wonach mir der Sinn steht, was das Herz begehrt. Und dann wie ein Donnerschlag die Worte Jesu aus dem nächsten Sonntagsevangelium: „Wer mein Jünger / meine Jüngerin sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ (Mt 16,24) Ist das nicht eine Zumutung? Und das soll ein Evangelium, eine gute Nachricht sein?

Das Christentum also doch eine Religion der Selbstverleugnung, der Lebensverweigerung, der Selbstabtötung? – Oft gehörte Vorwürfe, längst bekannte (Vor-)Urteile. Die Erklärung Jesu bringt mich zum Nachdenken: „Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es retten.“ Es geht also doch ums Leben, um echtes Leben, das Bestand hat. Und vielleicht bedarf das, was ich als spontanen Wunsch meines Herzens wahrnehme, bisweilen einer „Durchkreuzung“?

Wie eben auch der Wunsch von Petrus: Aus tiefstem Herzen wünscht sich dieser, dass das Szenario, das Jesus als seine eigene Zukunft beschreibt – Leid, Tod und letztlich Auferstehung – nicht eintritt. Er möchte seinem geliebten Lehrer Schmerz und Tod ersparen, und vielleicht auch sich selbst die Schmach, einem „Verlierer“, einem öffentlich Verurteilten und Verstoßenen vertraut zu haben. Aber manchmal sind spontane „Herzenswünsche“ eben verführerisch, manchmal ist das, was Menschen sich spontan wünschen, nicht das, was Gott will.

Eine Freundin sagt öfter: Was Menschen sich wünschen und was Menschen wirklich brauchen, sind oft zwei verschiedene Dinge. Manchmal lässt sich erst auf den zweiten Blick erkennen, was wirklich Not tut, was wirklich dem Leben dient. Und manchmal ist das nicht der angenehme, der bequeme, der breite Weg. Manches muss durchstanden, ausgelitten werden. Nicht um des Leidens willen, nein. Sondern um des Lebens und der Liebe willen. Gott selbst hat es in Jesus Christus vorgelebt. Ihm sollen wir nachfolgen – dem Liebhaber des Lebens.

.

Kommentarfunktion ist nicht aktiv.