Gegenwelten - eine Zusammenkunft

Rainer Juriatti am 23.7.2008

Gegenwelten

Welches bitte, ist das ideale Buch? Im Moment liegt diese Frage klar auf der Hand: Eines, das mir ein Stück Buntheit in den Sommer mitgibt. Eines, das mir Freude vermittelt und dennoch mit Kritik an dieser Welt nicht spart. Keine Karikaturen bitte, auch nicht abstrakt, keine pseudointellektuelle Farbgebung und Weltinterpretation, die mir das Grauen vor Augen führt. Nein, etwas Rabiates in seiner Ausführung, inhaltlich Aufgebrachtes genau so wie auch Sensibles, gepaart mit extrem guten Texten, die auf den Punkt kommen, die mich durchsaugen, die im Garten gelesen genau so funktionieren wie auch am Strand oder abends vielleicht, bei einem Glas Wein. Ein Buch, das mir über einen Menschen erzählt. Von einem Menschen. Hinein in die Arbeit eines Menschen.

Ich möchte ein Buch lesen, genau wie jenes von Michael Vonbank, erschienen im Vorarlberger Bucher Verlag, ein Buch, das mich ganz verrückt macht vor Freude über die Farbe, Lust am raschen Strich, alles diktiert von einer inneren Notwendigkeit, das Bild zu malen, den tiefen, wesentlichen, lebenswichtigen Gedanken in lustvollen Gemälden auszudrücken, um dann, beim Blättern, auf der Folgeseite extremst reduziert entgegen zu kommen. Ein Buch also gilt es zu lesen, zu durchblättern, zu studieren, den Werkkatalog eines “unverbildeten”, ja geradezu wahnsinnsfreien Vorarlberger Malers, der gestern seinen 44. Geburtstag feierte. Ein Maler meines Jahrgangs, der bei ganz Großen unseres Jahrhunderts/neuen Jahrtausends studierte - bei Attersee nämlich und dem unvergleichlichen Gironcoli. Ich komme nicht aus dem Schwärmen, kaufen Sie sich dieses Buch!

Michael Vonbank, “Gegenwelten - eine Zusammenkunft”, Bucher Verlag Hohenems, 64 verrückt interessante Seiten, ISBN-10: 3902612436

2 Kommentare zu “Gegenwelten - eine Zusammenkunft”

  1. michael vonbank sagt:

    Sehr geehrter Rainer Juriatti,

    vielen Dank für die überzeugten Worten in diesem Text, die mich sehr freuen. So tief ist selten jemand mit Worten in mein Werk (bzw. einen Teil meines Werkes) eingedrungen und mit so viel Output. Sie haben Recht, ich bin relativ unbeeinflusst, hoffentlich noch lange.

    Anbei für Sie ein spontanes Gedicht:
    Die Schranken mögen sich nicht öffnen,
    das Glück in Warteschlangen,
    der Augenblick als lyrisches Gedicht.
    Wir sterben im Verweilen
    und vielleicht von oben
    bzw. tief im Herzen der Los-Bruch-Aufruf
    gehen wir voran
    und unsere Gedanken
    mögen uns nicht täuschen.

    Vielen Dank, vielleicht haben wir ja einmal das Glück, uns persönlich zu treffen.

    Herzliche Grüße
    Michael Vonbank

  2. Rainer Juriatti sagt:

    Zurück aus dem Urlaub (Schreibklausur) lese ich Ihre Antwort auf meinen Text. Danke! Sehr nett und hoffentlich war mein Tipp auch ein bisschen wirksam. R.J.