Ein eigenartiger Spruch?

Redaktion am 31.7.2008

Ein eigenartiger Spruch?

von Maria Klien, BG Dornbirn

Folge deinem Herzen - ein eigenartiger Spruch. Ein kitschiger Spruch. Aber wenn man überlegt, was das bedeutet, seinem Herzen zu folgen, dann fragt man sich: Kann man das heute noch? Tut man es heute noch, was man für richtig hält; eben was man selbst für gut befindet?

Oft ist es so, dass man etwas vorgeschrieben bekommt und es einfacher ist, es zu befolgen, ohne darüber nachzudenken. Oder wenn man zu etwas gezwungen wird, nach dem Motto: Wenn du das nicht tust, dann tu ich das. Eine andere Möglichkeit ist einfach: “Blind hinterher”, ein Mitläufer wird.

Andere für sich denken lassen ist oft einfacher und vor allem bequemer, als es selbst zu tun. Wenn zum Beispiel jemand gemobbt wird und man hilft mit, nur um selber “in” zu sein, obwohl man den oder diejenige, die gemobbt wird, eigentlich ganz gut leiden kann, dann ist man ein Mitläufer. Wenn man tut, was alle von einem erwarten und einfach überhört, was man eigentlich will. Doch das kann gefährlich werden. Irgendwann verliert man diese innere Stimme, unterscheidet nicht mehr richtig oder falsch, sondern: Was sagen die anderen und was sagen sie nicht.

Es gibt aber auch Menschen, die für Geld Dinge tun, die im Prinzip gegen sie selber gehen. Das ist dann geplant, vorbereitet - in den meisten Fällen Verrat. Aber was denkt jemand, wenn seine eigene Familie durch seinen Verrat umkommt? Wird er einfach weiterleben wie zuvor und abends ruhig einschlafen? Ich kann mir das nicht vorstellen. Doch auch Kriege entstehen, weil jemand tut, was er für richtig hält. Weil er sein Ideal verfolgt. Weil er seinem Herzen folgt?

Folgt George W. Bush wirklich seinem Herzen, wenn er 100000ende Menschen, darunter tausende Kinder, im Irak-Krieg verheizt? Ich denke nicht, dass ein einziger Mensch so etwas verantworten kann, über das Schicksal hunderttausender Menschen zu bestimmen. Bush ist kein Soldat, der einmarschieren muss, damit er sich zu 90% den Schädel einschlagen lässt und als namenlose Leiche liegen bleibt. Er sitzt nur im weißen Haus und plant, wo und wann was geschieht, während die Soldaten kämpfen müssen, Häuser bombardieren Kindersoldaten erschießen, Menschen verkrüppeln. Kein Einziger von ihnen will das, aber alleine können sie nichts dagegen tun und die Gefahr von Verrätern entdeckt zu werden ist groß. Und so müssen sie tagtäglich morden und verwüsten.

Dieser Krieg dauert nun schon fünf Jahre und noch immer ist kein Ende in Sicht. George W. Bush ist immer noch der festen Überzeugung, dass er mit diesem Krieg richtig gehandelt hat. Auf die Frage, ob der mittlerweile fünfjährige Krieg es wert ist, dass 10000e Kinder sterben mussten, soll er einfach nur: “Yes” gesagt haben. Und das soll es sein, wenn jemand seinem Herzen folgt? Ich denke eher das ist, wenn jemand schon lange sein Gewissen und seine Skrupel anderen Menschen gegenüber verloren hat.

Denn jeder hat ein Gewissen. Doch oft wird es erstickt oder aus Bequemlichkeit überhört. Viele Menschen denken noch mit kalter Berechnung: Was bringt mehr Gewinn? Wo bekomme ich mehr Macht? Wie bekomme ich mehr Geld? Solche Überlegungen sind rein egoistisch und zeugen von Selbsteingenommen-Sein.

Doch wenn man seinem Herzen folgt denkt man nicht nur an sich, sondern auch an andere. Man hilft, wenn Hilfe nötig ist. Steht zu anderen. Und schließt Freundschaften. Ich glaube, nur wer tut, was für ihn wichtig erscheint und darauf schaut, dass andere dabei nicht zu kurz kommen, kann für sich selbst glücklich werden. Er oder sie profitiert selbst davon.

Denn wer gegen seine eigenen Prinzipien handelt verrät sich. Und das Leben ist eindeutig zu kurz um sich für Geld oder irgendwas anderes selbst zu verraten.

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