Orangen und die Lange Nacht

Rainer Juriatti am 20.5.2008

Frau Heimpl

Schwer zusammen zu bringen. Orangen und die Lange Nacht. Keineswegs so schwer: heute fand die Pressekonferenz zur Langen Nacht der Kirchen statt. In Dornbirn. In Hatlerdorf. In der Kirche und dann im Pfarrsaal. Zu Beginn empfing die Vorarlberger Künstlerin Elke Maria Riedmann alias Frau Heimpl die Journalisten und Gäste des Pressegespräches in der wunderschönen Architektur der Halter Kirche. In gewohnter Clowneske hörten die Anwesenden Sätze wie “So viele Orangen können die gar nicht anbauen, wie sie ins Meer schütten wollen”. Dabei ging es in ihrem Programmauszug der Langen Nacht der Kirchen um die Gerechtigkeit, respektive Ungerechtigkeit auf dieser Welt.

Tatsächlich werden Orangenüberschüsse ins Meer geschüttet, um den Preis pro Orange zu halten. Frau Heimpl meint, auch sie kaufe gerne billig ein. Also könnte man doch darauf verzichten, Lebensmittel wegzuschütten. Am besten schicke man sie nach Afrika. “Die essen doch sicher auch gerne einmal Erdbeeren oder so”, sagt sie.

Das Programm von Elke Maria Riedmann ist symptomatisch für die Lange Nacht der Kirchen: offene Räume, weit über normale “Öffnungsgrenzen” hinaus. Tief hinein in die Nacht. Und inhaltlich weit über die üblichen Denkmuster “Kirche” hinaus. Künstler, pfarrlich Engagierte, Priester - sie alle werden die Kirchen für eine Nacht beleben. Was sich über das Jahr hinweg in den Kirchen tut, das wird in einer Art Gedicht eine Nacht lang aufgeführt. Was jede Vorarlbergerin, jede Vorarlberger entdecken kann übers Jahr, das wird verdichtet geboten: um Aufmerksamkeit zu erlangen, so der Tenor in der Pressekonferenz. Ein Sponsorenvertreter, Vorstandsvorsitzender Werbner Böhler, meinte in seiner Stellungnahme, für die Sparkasse, für die Wiener Städtische sei es keine Frage gewesen, das Projekt zu unterstützen, da er meine, die Welt brauche Aktionen wie die Lange Nacht der Kirchen: “um auf das Wesentliche des Lebens hinzuweisen”.

Elke Maria Riedmann unterhielt die Gäste der Pressekonferenz über eine Stunde lang: indem sie den Kaffee servierte, ihre Kommentare einstreute, das Pressegespräch, wenn es geboten schien, auch unterbrach. Ganz so wird die Lange Nacht der Kirchen sein: ein Service, ein Kommentar, eine Unterbrechung. Vielleicht auch Durchbrechung klischeehafter Kirchenbilder. Menschen folgen ihren Herzen in dieser Nacht. Singend, tanzend, Texte rezitierend, humorvoll und tiefsinnig.

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