Eine Alternative zum Dialog? Gibt es nicht.

Wolfgang Ölz am 14.5.2008

 Dialog

Am 1. Mai waren im Bildungshaus St. Arbogast Dialogtag (vgl. Blogg von Daniel Furxer von Interkulturellen Begegnungen und getürkten Deutschen). Rund 80 Leute aus den unterschiedlichsten Ländern dieser Erde kamen in Friede, Freude und Gastfreundschaft zusammen, um über das Dialogisieren zu dialogisieren.

Nach dem interkulturellen Mittagessen lieferte Dr. Marianne Gronemeyer aus Freisenheim einen überzeugenden Vortrag zu den Mechanismen, die sich im Umgang mit dem “Fremden”  einstellen. Die emeritierte Professorin für Erziehungswissenschaften und Autorin zahlreicher Bücher  unterscheidet drei Formen des Umgangs mit dem Fremden:
Erstens die imperialistische Manier, die Errichtung einer Fremdherrschaft. Zweitens die Ausklammerung der Fremdheit des anderen, z.b. macht man fröhliche Geschäfte mit den Chinesen, obwohl sie eine inakzeptable Vorstellung von Rechtsstaatlichkeit haben. Drittens: “Man kann versuchen und alle erdenkliche Mühe darauf verwenden, einander zu verstehen und einen Konsens in wichtigen Fragen zu erzielen, mit dem alle gut auskommen können. Die Unterscheidung scheint sinnvoll mit ist allerdings der Einwand gekommen, dass es durchaus gut sein kann, dass man mit Dialogpartnern auch spricht, auch wenn man gewisse Dinge noch ausklammert, weil die Zeit dafür noch nicht reif ist. Wichtiger ist in diesem Fall, dass man einfach im Gespräch bleibt, trotz Differenzen. D.h. auf das Exempel gemünzt: Geschäfte machen mit dem Reich der Mitte, und bei Gelegenheit die Sache mit Tibet ansprechen. Die dritte Variante ist ohne Frage die beste, sie setzt m.E, allerdings schone einen breiten Konsens der Dialogpartner voraus.
Dr. Gronemeyer erzählte auch eine Anekdote über einen chinesischen Konvertiten, der sich nach seiner Taufe zu Fuß auf die Pilgerschaft von Peking nach Rom machte. Solange er in Zentralasien auf dem Weg war, genügte es, dass er sich als Pilger zu erkennen gab, um an der erstbesten Türe Gastfreundschaft zu finden. Im Bereich der orthodoxen Kirche begann es zu hapern. Im Bereich der Westkirche fand er keine Unterkunft mehr. Was hier  in Europa geschieht ist die “Institutionalisierung der Liebe” ein bedenklicher Verlust an Menschlichkeit in der modernen Welt.  Andererseits gibt es heute eine sehr begrüßenswerte “Internetvariante der Gastfreundschaft”, nämlich das sogenannte “couchsurfen”. Über das Netz finden sich Gast und Gastgeber, wobei der Gast nichts zahlen darf/soll/muss. Hunderttausende nutzen weltweit diesen Service.

Eine gute Veranstaltung, eine wichtige Veranstaltung, hoffentlich zieht das Ganze Kreise hoffentlich öffnet das die Herzen der Menschen, damit sie ihren Herzen folgen können.

Mehr dazu finden Sie auf der Homepage der Couchsurfer und natürlich im Vorarlberger KirchenBlatt.

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