Kultur der Gastfreundschaft pflegen

Rainer Juriatti am 1.4.2008

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Erfahrungen, Chancen und Hindernisse - Eine interkulturelle Dialogkonferenz

Lassen Sie mich ausholen: Als ich sieben Jahre alt war, da sagte in der Volksschule einer zu mir, ich sei ein Spaghettifresser. Ich ging auf ihn los. Leider war er stärker als ich. Also bekam ich auch noch Prügel dazu. Spaghettifresser. Ich hatte dieses Wort längst vergessen. Bis letzte Woche. Als mein Sohn nach Hause kam. 15 Jahre ist er alt und hatte Tränen in den Augen. Er meinte, er wolle jetzt mit der Klassenlehrerin reden, weil einige seiner Schulkameraden Spaghettifresser zu ihm sagten. Und Itaka. Weiß gar nicht, ob man dieses unsägliche Wort mit ck schreibt. Egal. Und jetzt, in meiner emotional dürftigen Verfassung erreicht mich eine Nachricht. Aus St. Arbogast. Dort soll am 1. Mai - Ha! Dem Tag der Fahne! - eine interkulturelle Dialogkonferenz stattfinden. Jeder von uns ist eingeladen. Wenn er Deutsch spricht, sucht er sich einen fremdsprachigen Freund und nimmt ihn mit. Das ist sozusagen Voraussetzung. Gilt auch umgekehrt. Bitte lesen Sie weiter und erfahren Sie alles über diesen Tag die wunderbare Idee, die dahinter steht.

Das Wesen der Gastfreundschaft besteht nicht darin,
dass ich den Fremden zum Bekannten umkremple,
sondern darin, dass ich ihm in seiner Fremdheit traue.
Marianne Gronemeyer

Überraschend gastfreundlich aufgenommen zu werden, gehört zu den schönsten Erfahrungen unseres Lebens. Umgekehrt erleben wir es als entwürdigend, ausgeschlossen zu werden. Gastfreundschaft ist unbezahlbar, ein Geschenk. Sie hat keine Chance, wo nur gerechnet  wird.

Zuwanderung hat in Vorarlberg eine lange Tradition. Meist kamen die Migranten/innen als sogenannte Gastarbeiter, viele davon blieben und leben seit mehreren Generationen hier. Derzeit leben Menschen aus über 100 Ländern in Vorarlberg.

Wie wäre es, wenn wir gemeinsam eine Kultur der Gastfreundschaft pflegten, die auf Gegenseitigkeit beruht? In der wir sowohl Gebende als auch Empfangende sind und sich der Reichtum der Vielfalt zeigen kann? Was steht dem an persönlichen, kulturellen, religiösen, wirtschaftlichen, politischen Hindernissen im Weg?

Wer ist eingeladen?

Eine Besonderheit dieses Tages: es sind nur Menschen eingeladen, die sich zu zweit anmelden. Das heißt: eine Person mit deutscher Muttersprache lädt eine Person mit anderer Muttersprache ein - oder umgekehrt!

Die Referenten erzählen von ihren Erfahrungen mit Gastfreundschaft in verschiedenen Kulturen. Daneben gibt es viel Raum für Dialog in kleinen Gruppen, Musik mit “Gipsy Nany” u.a. Zu Mittag werden wir von Köchen/innen aus verschiedenen Herkunftsländern verwöhnt.

Im echten Dialog braucht es nicht viele Worte, es geht nicht darum, Recht zu haben, sondern von Herzen zu sprechen, einander wirklich zuzuhören, feste Meinungen loszulassen, miteinander  zu forschen, einander mit Respekt und Neugierde zu begegnen.

Referent/in:
Dr. Ilhami Atabay, München, Psychotherapeut, Supervisor, Buchautor “Zwischen Tradition und Assimilation”
Dr. Marianne Gronemeyer, Friesenheim, emeritierte Professorin für Erziehungswissenschaften und Autorin zahlreicher Bücher wie etwa “Die Macht der Bedürfnisse”

Donnerstag, 1. Mai 2008, 9.15-17.00 Uhr
Bildungshaus St. Arbogast

Kosten:
Freiwilliger Beitrag
Veranstalter:
Bildungshaus St. Arbogast in Zusammenarbeit
mit okay.zusammen leben und Caritas Vorarlberg
Anmeldung: Bildungshaus St. Arbogast, 6840 Götzis, Montfortstr. 88
Online www.arbogast.at
Telefon  05523-62501-28
Mit Kinderbetreuung - Kinder bitte anmelden.

Das Dialogprojekt Arbogast wird unterstützt von: Vorarlberger Landesregierung,  Österreichische Gesellschaft für Politische Bildung.

2 Kommentare zu “Kultur der Gastfreundschaft pflegen”

  1. Julia sagt:

    Wenn das kein Schritt in die richtige Richtung ist!! Es gibt nämlich keine Alternative zum Dialog!

  2. Malefix sagt:

    Genau, Julia, KEINE Alternative gibt es. Jeder von uns kann Brücken bauen, da brauchen wir Niemanden dazu.