Ostern: Freudentanz im Labyrinth des Lebens

Sr. Clara Mair am 23.3.2008

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„Jesus ist auferstanden. Er ist wahrhaft auferstanden. Halleluja!“ - Ostersonntag, Joh 20,1-18

Die kirchliche Tradition kennt seit Jahrhunderten einen bewegenden Ausdruck für diese österliche Freude: Es ist der Tanz. In französischen Kathedralen wurde im Mittelalter im Anschluss an den Ostergottesdienst der Tanz durch ein Labyrinth aufgeführt. Der Bischof der Kathedrale von Chartres durchtanzte mit den Klerikern das große Mosaik-Labyrinth, das im Fußboden der Kirche heute noch zu sehen ist. Er warf den Priestern dabei immer wieder einen goldenen Ball zu. Dieser sollte die Ostersonne darstellen, die durch die Auferstehung Jesu über unseren Wegen leuchtet. Dabei wurde der alte Osterhymnus gesungen: „Der Heiland ist erstanden!“

Auch heute ist das Gehen durch Labyrinthe wieder modern geworden. Durch ein gotisches Labyrinth führt nur ein Weg. Viele Wendungen sind zu bewältigen. Es gibt keine Sackgassen oder Irrwege. Der eine Weg geht immer weiter. Oft scheint es, schon in der Mitte angelangt zu sein, dann ändert sich die Richtung wieder und führt ganz an den Rand. Nicht wer aufgibt oder stehen bleibt, sondern wer sich auf die Wendungen einlässt, gelangt sicher zur Mitte.

So wird das Labyrinth Sinnbild unseres Lebens. Wir sind auf der Suche nach unserer Mitte und nach einem Zentrum, das trägt, ein Ziel, das Sinn verheißt, Kraft gibt und uns zu erfüllen vermag. Es gibt sie, diese Mitte, die zum tragenden Grund des Lebens werden kann und uns immer wieder über uns selbst hinauswachsen lässt.

Das Evangelium vom Ostersonntag erzählt von einer Frau, die das Labyrinth ihres Lebens durchlebt und zur Mitte kommt. Maria von Magdala war wohl ein zerrissener Mensch, sich selbst fremd, völlig am Rand – ohne Mitte. Die Begegnung mit Jesus wurde für ihr Leben zum Wendepunkt. In Jesu Nähe bekam sie sich selbst zurück – fand sie wieder neu in ihre Mitte. Von ihr wird erzählt, dass Jesus sie von sieben Dämonen befreit hatte. Jesus hat alles Tote in ihr lebendig gemacht und das Erstarrte zum Leben erweckt.

Sie ist ihren Weg mit Jesus gegangen und hat die Katastrophe der Kreuzigung erfahren. Maria von Magdala ist die erste, die zum Grab eilt. Ist es verwunderlich, dass gerade sie die erste ist, die in den frühen Morgenstunden zum Grab eilt, um dem, der ihr das Leben neu schenkte, auch im Tod nahe zu sein?

Und der Tod hat nicht das letzte Wort. Jesus, das Leben, ist stärker als der Tod, stärker als alle, die töten. Jesus, die Liebe, ist stärker als aller Hohn, alle Bosheit und alle Gewalt, die ihm entgegengebracht wurden. Er hat alle Fesseln gesprengt. Der auferstandene Jesus ruft Maria bei ihrem Namen. „Mirjam“.

Doch die Begegnung nach der Auferstehung ist nicht einfach eine Fortsetzung des Früheren. Sie schenkt Verwandlung - schenkt eine neue Lebensqualität. Aus dieser Erfahrung wächst Maria über sich hinaus. Sie ist es, die als erste die Auferstehung Jesu verkündet.

Das heutige Evangelium schenkt mir für mein Leben viele Einsichten und eine tiefe Gewissheit:
Ich gehe nicht durch einen Irrgarten mit Sackgassen und Irrwegen ohne Ausweg. Mein Weg ist, gleich dem eines Labyrinths: ein Weg, der zur Mitte führt.
In der Mitte treffe ich nicht nur mich selbst an, keine unpersönlichen kosmischen Energien. Ich treffe in der Mitte auf Jesus, der auch mich beim Namen ruft.
Jesus ist mit mir auf diesem Weg und in meiner innersten Mitte kann ich ihm, dem Auferstandenen, begegnen. Ich weiß, dass über all meinen Wegen die goldene Sonne der Auferstehung leuchtet.

Alle Wege haben ein Ziel, eine Mitte: Christus, das Leben.
Wer das weiß und sich auf diese Glaubenserfahrung einlässt, der darf heute tanzen vor Freude.

2 Kommentare zu “Ostern: Freudentanz im Labyrinth des Lebens”

  1. Daniel Furxer sagt:

    Ich wünsche allen LeserInnen der Seite “Folge deinem Herzen” gesegnete Osterfeiertage!

    Er ist wahrlich auferstanden!

  2. Sr. Verena Maria sagt:

    Komm, Schwester, tanz mit mir!