Im Sprung

Dietmar Steinmair am 17.3.2008

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Ein ganzes Leben in einer Woche

Die Karwoche. Innerhalb von nur einer Woche läuft im Leben Jesu und seiner Freundinnen und Freunde ein Geschehen in atemberaubender Dichtheit und Dynamik ab. Dieses Geschehen vor 2000 Jahren ist Dreh- und Angelpunkt des christlichen Glaubens. Ein Geschehen, in welchem die Herzen der Menschen rund um Jesus jubelten, hofften, suchten, Brot teilten, fragten, bangten, verrieten, verleugneten, verzweifelten, trauerten … und zuletzt doch mit dem Friedensgruß eines Auferstandenen durchdrungen wurden.

Palmsonntag. Jesus umbraust vom Jubel der Masse, die einen neuen Messias erwartete.
Gründonnerstag. Das Vermächtnis des Sohnes Gottes an seine Jünger und die Kirche aller Zeiten und Orte: der Neue Bund.
Die Nacht. Verzweifeltes Gebet und müde Jünger. Verrat, der den Meister zur Entscheidung zwingen soll, und menschliche Schwäche, die eigene Haut rettend.
Der letzte Tag. Jene, die ihm Tage zuvor noch zujubelten, skandieren nun seinen Tod. Ein Weg des Schmerzens bis zum bitteren Tod am Schandpfahl. Den Juden ist das ein Ärgernis, den Griechen eine Torheit (1. Korinterbrief 1,23). Unter dem Kreuz nur wenige, vor allem Frauen.
Die Dunkelheit des Schweigens Gottes. Worte gehen fehl.
Doch dann der Morgen. Aufgehende Sonne und Begegnung mit dem Auferstandenen. Die ersten Auferstehungszeugen sind wiederum … Frauen. Der Friedensgruß, die verschreckten Jünger heilend. Das Brot in Emmaus und am See von Tiberias, das zum Erkennungszeichen der Christen wird und es bis heute ist.
Ostern.

Doch noch ist es nicht soweit. Im Zentrum der Karwoche steht das Kreuz und Jesus, der Gekreuzigte. Im Kreuz hat sich die Geschichte der Welt gewandelt. Jesus wäre nicht gestorben, wenn die Menschen seine Botschaft angenommen hätten. Haben sie jedoch nicht. Stattdessen erlitt der Gewaltlose die Gewalt, schlug nicht zurück und hat so den Kreislauf der Gewalt unterbrochen. Dadurch hat er die Welt befreit. “Erlöst”, sagen die Gläubigen.

Durch das Kreuz hindurch kann die Menschheit dem eigenen Verhängnis entspringen. “Tabula saltandi” hat Werner Hofmeister sein Kruzifix am Grazer Kalvarienberg genannt. Sprungbrett. Klingt frivol, drückt aber eine der tiefsten Gedanken der Christenheit aus: dass nämlich Christus, der ewige Sohn des Vaters, in die Welt der Menschen herabgestiegen ist, um die Menschheit mit sich in den Himmel zu nehmen. Das gehört zum Kern christlichen Bekenntnisses.

Im Sprung. Ein ganzes Leben in einer Woche. In der Mitte dieser Woche - am Wendepunkt- steht das Kreuz. Jesus nimmt uns mit zum Vater. Im Sprung.

Ein Kommentar zu “Im Sprung”

  1. susi sonnenschein sagt:

    Die Karwoche ist für viele ein persönlicher Leidensweg. Ich bitte für diese Menschen, dass für sie zu Ostern eine persönliche Auferstehung wahr wird.