Endise, Kaygi und Korku sind die Angst

Rainer Juriatti am 25.2.2008

Angst

Teil 1 zum Thema Angst vor dem Fremden

Ein kleiner Junge begegnet mir. In der Kirche von Rohrbach. Er kommt mit seinen Eltern, die schon zur Begrüßung offenherzig lächeln. Ich begrüße Emirhan, so heißt der Kleine. Er schaut mich skeptisch an, klammert sich an seine Limoflasche. Die Eltern sagen ihm im Verlauf der Begegnung zwischen Christen und Moslems in der Kirche, er müsse hier ruhig sein. Es kümmert ihn - für ein paar Minuten. Dann geht er durch die Bankreihen, schaut sich alles genau an.

Währenddessen sprechen Bischof Elmar, Dekan Baldauf und die “Islambeauftragte” (was für ein Wort) von Ansichten, Aufträgen der Begegnung, erzählen vom Evangelium und nicht zuletzt von der Bedeutung der vielen Bilder im Kirchenraum. Die Begegnung setzt sich im Pfarrsaal fort. Zu Essen gibt es und schöne, ja auch amüsante Ansprachen der muslimischen Freunde. An den Tischen sitzen Moslems und Christen, bunt durchmischt. Es ist laut im Saal, intensiv sind die Gespräche. Eine wunderbare, ja ideale Begegnung wurde hier geschaffen. So könnte es sein, denke ich mir, wäre hier nicht die Angst.

Ulrich Engel schrieb im vergangenen November in der “Diakonia” über die Angst. Angst kennt viele Namen. Zum Beispiel Endise finde ich im Online-Wörterbuch. Oder Kaygi. Oder Korku. Alles Türkisch. Engel schreibt, die Menschen hätten immer mehr Ängste. Kollektiv. Unbestimmt. Unter anderem schreibt Engel: Vielfach haben wir es mit einer politisch erzeugten Hysterie zu tun, etwa, dort, wo Rechtsextremisten gegen eine angebliche Überfremdung Deutschlands zu Felde ziehen. In zahlenmäßig nicht kleinen Bevölkerungskreisen werden auf diese Weise sehr bewusst Ängste vor ausländischen Arbeitskräften oder vor politisch Verfolgten und Bürgerkriegsopfern, die Zuflucht in Deutschland suchen, geschürt. Manches Mal ist der Schritt hin zur ausländerfeindlichen und rassistischen Gewalt nur noch ein kleiner.

Angst also, kollektiv erzeugt. Emirhan kümmert das wenig. Er zeigt mir stolz sein Glas mit Apfelsaft und hält es mir schließlich entgegen. Ich solle trinken. Wir teilen einen Schluck. Der Kleine und ich. Macht mich stolz. Mehr zur Angst lesen Sie morgen an dieser Stelle.

Ein Kommentar zu “Endise, Kaygi und Korku sind die Angst”

  1. Karl Schulz sagt:

    Vielleicht gibt es auch eine politisch erzeugte Hysterie gegen angeblichen und behaupteten Rechtsextremismus?